Hier werde ich ein wenig über  meine Historie erzählen und was ich bzw. wir vorhaben.

"Das ist nicht möglich". So hat vor einigen Jahren meine berufliche Geschichte mit der Insolvenz der Großhandlung Schreyer begonnen. Ich war vom Geschöftsführer beauftragt ein Internet-Shopsystem aufzubauen. Was mir nicht mitgeteilt wurde und was der Eigentümer auch sicherlich nicht wahrhaben wollte, das Unternehmen war insolvent. Die Großhandlung hatte damals als weiteren Geschäftszweig Schreibwaren in Discountern und Großmärkten aufgestellt und auch befüllt. Ware von Vorgängern wurde in Kisten gepackt und dann in Paletten und ab ins Hochregallager. In jeder Kiste befanden sich sehr viele unbekannte Artikel, jeder Artikel konnte in 50 anderen Kisten wieder auftauchen.

Nicht einmal Restpostenkäufer waren bereit die Ware zu nehmen.

Es ist aber vieles möglich, wenn man bereit ist nachzudenken, körperlich zu arbeiten und - programmieren kann. Mit den Anfängen dieser Software begann ich über Ebay und Amazon zu verkaufen. Anfänglich als einziger, dann kamen andere, die viel händisch machten, dann kamen andere, die bereits Software nutzen konnten, die für Ebay entwickelt wurde. Dann entstand Software, die auch beim Verkaufen über Amazon half.

Am Ende - heute - gibt es Software, die man mieten kann und die die Preis automatisch anpasst an die Preise der Wettbewerber.

In diesen Jahren programmierte ich ein komplettes ERP-System. Mit allem, was man für diese Tätigkeit braucht - besser und effizienter als vorhanden Software. Diese Software wurde aber mehr und mehr zu meinem gefängnis. Ich war der einzige, der die Software programmiert hatte und warten konnte (es ist bekannt, dass man alleine fast so viel programmieren kann, wie ein Team auf 5-10 Leuten). Jegliche Änderung in der Außenwelt, sei es beim Finanzamt, bei den einzelnen Portalen oder bei den Lieferanten musste ich alleine lösen.

Standard-Software ist sinnvoll. So entschied ich mich, dass ich auf Standardsoftware umsteigen will und nur noch Anpassungen programmieren will oder programmieren lassen will. Ich wollte eine Unternehmensberatung aufbauen, die diese Standard-Software installiert, betreut und Anpassungen vornimmt. Aber ich wollte auch nicht vom Handel lassen, weil ich eben die Erfahrung gemacht hatte, dass man die Prozesse am Besten versteht, wenn man selbst damit arbeitet. Ich wollte in der PBS-Branche (Papier-, Büro-, Schreibwaren) bleiben und in anderen Branchen als Berater, Betreuer auftreten.

Wieder eine Insolvenz. Zufälligerweise gab es die nächste Insolvenz in der Branche. Der größte Großhändler der Branche Adveo musste aufgeben. Ich entschied mich, gemeinsam mit zwei Investoren, diese Ware aufzukaufen. Ein Gedanke, Insolvenzware ist preiswert und Schreibwaren haben kaum "Verfallsdatum", aber der zweite Gedanke - man kann mit dieser Ware Unternehmen sehr gut helfen Accounts bei den Online-Portalen aufzubauen. Amazon und Ebay, Real.de und alle anderen Portale sind nicht einfach so bedienbar. Dazu gehört Know-How.

600 Paletten, 3 Hallen mit jeweils 600m2. 5 Monate aussortieren und langsames abverkaufen begannen dann. Bei einem großen Komplex in dem wir eine Halle gemietet haben, sprang ein großer Mieter ab, der die restlichen Flächen nutzen wollte. Wir mieten nun diese Flächen preiswert und steigen in weitere Restpostenkäufe und ins FulFillment-Geschäft ein. Außerdem stellen wir Unternehmen, die Warenfinanzierungen machen, Flächen und im Schadensfall - die Möglichkeit uns den Abverkauf machen zu lassen.

Gute Software und gutes Personal. Und die Entscheidung sich zügig weiterzuentwickeln, das sind meiner Meinung nach die entscheidenden Faktoren, wenn man wettbewerbsfähig bleiben will. Ich habe mich für die Software Odoo.com entschieden, weil diese wirklich alles abdeckt, was man als Unternehmen standardmäßig zu erledigen hat mit Software. Ein wesentlicher Aspekt ist jedoch, dass die Software Open-Source ist und damit für edv-fitte Unternehmen kostenlos ist. Ein weiterer Aspekt: die Software ist vollständig modular aufgebaut, diese Modulbauweise ermöglicht es, dass tausende Module anderer Softwareunternehmen als Drittanbieter-Apps integrierbar sind. Und letzlich gibt es über 1000 Softwareunternehmen weltweit, die als offzizielle Partner gelistet sind. Das sind potentielle Programmierer, aber auch der Nachweis, dass die Software weltweit genutzt wird.